Jeder vergangene Moment hängt vom gegenwärtigen Moment ab.

Die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die Kulturlandschaft sind momentan noch nicht abzuschätzen. In der kurzen Phase der Theateröffnungen im Sommer 2020 war jedoch bereits merkbar, dass viele Menschen zögern, ins Theater zu gehen, obwohl der kulturelle Austausch derzeit eigentlich wichtiger denn je ist. So entstand die Idee zu einem Projekt, das die Sichtbarkeit von Kunst und Kultur erhöhen soll, indem es den öffentlichen Raum entlang einer der Hauptverkehrsachsen der Stadt Nürnberg bespielt:

In Auseinandersetzung mit den Stadtteilen Tafelhof und Gostenhof wird der Blick auf die Stadtgesellschaft geschärft: Wie hat sich die Welt durch Corona geändert? Wie unser Verhalten? Und wie finden wir trotz aller Ängste und Verluste zu einer (neuen) Normalität?
Kunst und Kultur sind geistige Grundnahrungsmittel. Sie rufen Emotionen hervor, regen zum Nachdenken an, machen das Leben insgesamt mehrdimensionaler und lassen neue Blickwinkel zu. In den Monaten der Pandemie beschränkt sich der Kulturgenuss oftmals auf Formate, die man allein im stillen Kämmerlein genießt, wie Bücher oder Streams. Doch das nahezu magische Live-Erlebnis eines Theaterbesuchs, die Gemeinschaft mit anderen Zuschauer*innen, in der man neue Erfahrungen macht, lässt sich so nicht ersetzen. Nach Monaten des „Cultural Distancing“ wollen wir ein Zeichen setzen: Zwischen Hauptbahnhof und Bärenschanze entspinnt sich eine Geschichte über Angst und Verlust, Hoffnung und Zuversicht und wie man mit Geschehnissen, die man nicht rückgängig machen kann, schließlich lernen kann zu leben.

Voller Hoffnung heißt voller Hoffnung heißt voller Hoffnung.

Jonathan Safran Foers Roman „Extrem laut unglaublich nah“ passt hervorragend in unsere Zeit: Nicht nur jährt sich „9/11“ im September zum zwanzigsten Mal, die Anschläge rüttelten auch immens am gesellschaftlichen Selbstverständnis. Sie waren ein einschneidendes Erlebnis, die das globale Miteinander nachhaltig beeinflussten und für immer veränderten. Eine ähnliche Zäsur stellt derzeit die Pandemie dar: Sicher geglaubte Lebenskonzepte und gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten werden durcheinandergebracht, wie man es sich zuvor nicht hätte vorstellen können. Ausgehend von Foers Roman setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie man weiterlebt, wenn sich durch ein Ereignis das scheinbar Unerschütterliche verändert und nichts mehr so sein wird, wie es war. Wie kann das Leben weitergehen?
Die Produktion wird in und um die Theaterhäuser spielen – so macht sich das Publikum gemeinsam mit Oskar auf den Weg durch die Stadtteile Tafelhof und Gostenhof und erlebt dort eine Vielfalt an Formen und Spielarten: Theater verbindet sich mit Film- und Hörspielsequenzen, Schauspiel, Tanz und Figurenspiel vereinen sich zu einem Theatererlebnis, jugendlichen Laien agieren neben langjährigen Profis, Kunst arbeitet mit Wissenschaft, Staatstheater verbündet sich mit freier Szene.
Dem Vorhaben zugrunde liegt der Wunsch, Kunst und Kultur in die breitere Wahrnehmung der Stadtbewohner*innen (zurück) zu bringen. Während Theater sich normalerweise vom Alltagsbereich abschottet, in einem geschlossenen Raum stattfindet und dort neue Welten öffnet, soll hier die Wechselwirkung zwischen Kunst und Alltag untersucht werden, indem die Aufführung in den öffentlichen Raum wandert. Dies ermöglicht einen neuen Blick auf die Stadt und bricht das klassische Verständnis von Theater auf.

Der Entstehungsprozess von „Extrem laut und unglaublich nah“ wird von einem Team des LEONARDO – Zentrum für Kreativität und Innovation begleitet. In den Videos geben die verschiedenen Beteiligten Einblicke in ihre Arbeit.

Interviews: Susanne Ullerich | Kamera & Schnitt: Felix Zeiss | Ton: Emma Laín Fernández, Nicole Pietruschka

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